Der Dom zu Aachen

Der Dom zu Aachen
Der Dom zu Aachen

Der Aachener Dom (auch Aachener Münster oder Kaiserdom) ist die Bischofskirche des Bistums Aachen. Patronin der Kathedrale ist die Hl. Maria. Der heutige Dom besteht aus mehreren Teilbauten: daskarolingische Oktogon in der Mitte ist das wichtigste architektonische Beispiel für die karolingische renovatio. Er ist umgeben von mehreren Anbauten aus späterer Zeit. Dazu gehören die gotische Chorhalle im Osten, das Westwerk und einige Seitenkapellen. Den karolingischen Zentralbau ließ Karl der Große gegen Ende des achten Jahrhunderts errichten

Der Barbarossaleuchter unter der Kuppel des Oktogons
Der Barbarossaleuchter unter der Kuppel des Oktogons
Decke im Oktogon
Decke im Oktogon

Das karolingische Oktogon (Pfalzkapelle)

Das im Zentrum des Doms gelegene Oktogon wurde in den neunziger Jahren des 8. Jahrhunderts (vermutlich ab 793/794) unter anderem nach byzantinischen Vorbildern (zum Beispiel San Vitale in RavennaKirche der Heiligen Sergios und Bakchos in Konstantinopel) als Kapelle der Aachener Kaiserpfalz errichtet. Weitere Vorbilder sind in den spätantiken Bauten von St. Gereon und dem Praetorium in Köln zu suchen. Überlieferter Baumeister war der Franke Odo von Metz. Die Pfalzkapelle Kaiser Karls des Großen war über 200 Jahre lang nördlich der Alpen in ihrer Höhe und Gewölbeweite unübertroffen.

Die Pfalzkapelle besteht aus einem hohen, achteckigen Raum mit einem niedrigeren zweigeschossigen Umgang. Das innere Oktogon wird durch starke Pfeiler gebildet, auf welchen ein achteckiges, den Mittelraum überdeckendes Klostergewölbe liegt. Um dieses innere Oktogon herum läuft ein 16-seitiger, mit niedrigen Kreuzgratgewölben versehener Umgang, über dem sich, die Empore bildend, eine hohe Galerie befindet. Die Rundbogenöffnungen des Untergeschosses sind nur etwa halb so hoch wie die des Obergeschosses, wodurch das Untergeschoss wuchtig und gedrungen wirkt. Unter- und Obergeschoss sind durch ein kräftig ausladendes Gesims voneinander abgesetzt. Hauptaltar und Kaiserthron befinden sich im oberen Umgang der Pfalzkapelle. Dieser Bereich ist durch einen Verbindungsgang mit dem Palast verbunden. Überdeckt wird der achteckige Raum von einem schräg liegenden Tonnengewölbe. Über den Galeriebögen erhebt sich ein achteckiger Tambour mit Fensteröffnungen, auf welchem das Kuppelgewölbe ruht.

Die oberen Galerieöffnungen sind durch Säulengitter gegliedert. Diese Säulen sind antik und stammen aus St. Gereon in Köln. Karl der Große ließ weitere Spolien der Überlieferung nach am Ende des 8. Jahrhunderts ausRom und Ravenna nach Aachen schaffen. 1794 wurden sie während der französischen Besetzung des Rheinlands ausgebrochen und nach Paris geschafft, kamen aber 1815 bis zur Hälfte im Louvre verbliebene Stücke nach Aachen zurück. In den 1840er Jahren wurden sie wieder an ihrem ursprünglichen Ort eingebaut, fehlende Säulen wurden unter anderem aus Odenberger-Granit neu hergestellt. Die im oberen Stockwerk in den Seitenwänden des Oktrons zwischen den Säulen vorhandenen rundbogenförmigen Öffnungen, hinter denen sich ein Rundgang befindet, sind mit einem etwa 1 Meter hohen Geländer aus karolingischen Bronzegittern abgesichert. Diese Bronzegitter waren vor 1200 Jahren in einem komplizierten Gussverfahren nach römischen Vorbildern in einem Stück gegossen worden. Das ursprüngliche, vielleicht schon um 800 ausgeführte und aus mittelalterlichen Quellen bekannte Motiv des Kuppelmosaiks - Christus als triumphierenden Weltenherrscher, umgeben von den Symbolen der vier Evangelisten, dem die 24 Ältesten aus der Apokalypse des Johannes ihre Kronen darbringen - wurde in den Jahren 1880/81 nach Entwürfen des belgischen Architekten Jean-Baptiste de Béthune von der venezianischen Werkstatt Antonio Salviati neu geschaffen.

Die Außenwände des in Bruchstein gefertigten karolingischen Oktogons sind weitestgehend ungegliedert und ohne weiteren Bauschmuck. Lediglich die Pfeilervorsprünge an der Kuppel sind von antikisierenden Kapitellen gekrönt. Oberhalb des karolingischen Mauerwerks befindet sich eine romanische Blendbogenreihe, darüber spätromanische Giebel. Gekrönt wird das Oktogon durch die eigentümliche barocke Dachhaube.

Der Aachener Dom war nach neuesten Forschungsergebnissen des Rheinischen Amtes für Denkmalpflege während der Zeit Karls des Großen rot verputzt. Durch die Beigabe von rotem Ziegelsplittmehl in den Mörtel wurde dessen Haltbarkeit erhöht. Daneben war die Farbe möglicherweise auch Hinweis auf die kaiserliche Bedeutung des Bauwerks.[7]

 

Pala d'Oro
Pala d'Oro

Pala d'Oro

Eine sog. goldene Altartafel, die Pala d'oro (um 1020) schmückt als Antependium den Hauptaltar. Sie besteht aus siebzehn Einzeltafeln mit Reliefs aus getriebenem Goldblech. In der Mitte thront Christus als Erlöser in der Mandorla, begleitet von Maria, seiner Mutter, und dem Erzengel Michael. Vier Rundmedaillons mit den Evangelistensymbolen bilden die Verbindung zu den zwölf Relieftafeln mit Darstellungen aus der Leidensgeschichte. Sie beginnt mit dem Einzug Jesu in Jerusalem und endet mit den Frauen vor dem leeren Grab am Ostermorgen; die Darstellungen werden wie in einem Buch von links nach rechts gelesen.

Stilistisch ist die Pala d'Oro nicht einheitlich gearbeitet. Die ersten fünf Reliefs stammen wohl von einem im Rheinland geschulten Goldschmied und zeichnen sich durch eine auffallende Erzählfreudigkeit aus. Die übrigen, zusammen mit der Mittelgruppe von Christus, Maria und Michael lehnen sich an byzantinische und spätkarolingische Vorbilder an.

Die Pala d'Oro ist der Vorgänger für die vielen mittelalterlichen und spätmittelalterlichen Altäre, die dazu bestimmt waren, den Gläubigen die Heilsgeschichte zu vermitteln.

 

Kreuzgang
Kreuzgang

Das Westwerk

Das Westwerk des Domes ist karolingischen Ursprunges, davon erhalten sind die beiden seitlichen Treppentürme. Sie flankieren das eigentliche Westwerk. Es handelt sich um einen doppelgeschossigen Bau, der im Untergeschoss mit einem Tonnengewölbe versehen, durch eine Vorhalle aus dem 18. Jahrhundert nach Westen abgeschlossen ist. Die in dieser Vorhalle angebrachten bronzenen Torflügel, die sogenannten Wolfstüren, wurden um 800 gegossen und befanden sich ursprünglich zwischen Westwerk und Oktogon.

Das Obergeschoss zeichnet sich durch eine außergewöhnlich aufwendig gemauerte Westwand aus. Im Innenraum bildet sie nämlich eine Wölbung nach außen, während sich die Außenseite mit eine Wölbung nach innen formt, so dass von einer konvex-konkaver Wölbung der karolingischen Westwand gesprochen werden kann. Vom Atrium her gesehen war die karolingische Westfassade daher bis zum Anbau der Vorhalle im 18. Jahrhundert besonders repräsentativ: eine große westliche Wandnische im Obergeschoss - halbrund abgeschlossen - korrespondierte mit dem Halbrund des Tonnengewölbes im Untergeschoss.

Die Westwand wird heute durch ein großes Westfenster durchbrochen. Die Rahmengröße des Fensters stammt aus der Gotik und ersetzt ein wesentlich kleineres Fenster aus karolingischer Zeit, ursprünglich vermutlich mit einer eingestellten Säule in Form eines rundbogigen Biforium gegliedert. Das heutige Fenster wurde von Ewald Mataré 1956 entworfen. Der Entwurf Matarés nimmt - allerdings abstrahierend - die Gliederung der karolingischen Bronzegitter im Inneren des Domes auf. Bronze und unbearbeitete Bergkristalle bilden das eigentliche Fenster.

Die Funktion des Westwerkes im Obergeschoss - auch als Hochmünster bezeichnet - ist bislang nicht eindeutig geklärt. Das lange dem Marienstift vorbehaltene Taufrecht in Aachen wurde an einem Taufstein, der sich hinter dem Marmorthron befand, bis gegen Ende des Ancien Régime wahrgenommen.[4] Möglicherweise war der Raum in diese Zeremonie involviert. Ferner befindet sich auch heute noch in der Westwand unterhalb des großen Westfensters eine Fenestella (kleines Fenster), durch das eine Sichtverbindung zum unten liegenden Platz, dem ehemaligen Atrium, ermöglicht wurde[5]. Sicher ist, dass zu diesem Raum an seiner nördlichen Wand der sog. Karolingische Gang führte, der die Aula Regia (Königshalle) im Norden der Königspfalz mit der Kirche verband.

Der untere tonnengewölbte Raum im Westen diente möglicherweise nach dem Tod Karls des Großen am 28. Januar 814 als dessen Grablege. Aktuell laufende archäologische Ausgrabungen werden darüber näheren Aufschluss geben können[6].

Die über diesem Raum liegenden Stockwerke des Westwerks wurden in der ersten Hälfte des 14. Jahrhunderts sowie im 17. Jahrhundert umgestaltet, der hohe Turmabschluss zwischen 1879 und 1884 fertiggestellt.

 

Die Heinrichskanzel

Zwischen den Jahren 1002 und 1014 ließ Heinrich II. im östlichen Umgang eine Kanzel errichten. Die Widmungsinschrift am oberen und unteren Rand lässt keinen Zweifel an der Stiftung durch Heinrich II. Über einem kleeblattförmigen Grundriss sieht man die Brüstungswand des Ambos, die durch Filigran- und Edelsteinborden in neun Rechtecke eingeteilt ist. Fünf bilden ein Gemmenkreuz in Form eines griechischen Kreuzes. Kostbare Gefäße zieren diese Felder. Drei sind ursprünglich, zwei später ergänzt. Die originalen Stücke sind eine Tasse und Untertasse aus Bergkristall sowie eine antike Achatschale. Es sind vermutlich Teile des Prachtgeschirrs aus der Aussteuer der Theophanu, der Gattin Ottos II. In den verbleibenden vier Eckfeldern sieht man Reliefs mit schreibenden Evangelisten. Nur die Matthäustafel ist im Original erhalten.

Die eigenartigsten Schmuckwerke breiten sich an den seitlichen Segmenten des Ambos aus. Es sind konvexe. die Rundung des Elefantenzahns nutzende Elfenbeine, alexandrinische Arbeiten des 6. Jahrhunderts.

Ursprünglich hat die Kanzel wohl in der Mittelachse des Oktogons vor dem Hauptaltar gestanden. Nach Vollendung des Choranbaus 1414 wurde der Ambo an der Südseite des ersten Chorjoches angebracht. Der Treppenaufgang entstand 1782[8].

 

Die Seitenkapellen

Rings um das Oktogon scharen sich mehrere Seitenkapellen, im Uhrzeigersinn:

  • Im Südosten liegt die Matthiaskapelle, die zeitgleich mit der daneben liegenden Chorhalle errichtet wurde.
  • Südlich der Matthiaskapelle schließt sich die gotische Annakapelle an; sie war im Untergeschoss ursprünglich die Vorhalle zu einem Domportal, die Wände wurden jedoch später verschlossen und der Raum als Kapelle genutzt.
  • Südlich des Westwerks liegt die Ungarnkapelle, ursprünglich ebenfalls eine gotische Seitenkapelle wurde sie im 18. Jahrhundert nach Plänen des italienischen Architekten Joseph Moretti in barocken Formen neu errichtet.
  • Nördlich des Westwerks schließt sich die Nikolaus- und Michaeliskapelle an, sie ist der ehemalige Begräbnisort der Stiftsherren des Aachener Münsterstifts.
  • Nordöstlich wurde die Karls- und Hubertuskapelle an das Oktogon angebaut.

Weitere zum Domkomplex gehörige Kapellen befinden sich im Kreuzgang (Allerheiligen- und Allerseelenkapelle) und am Domvorhof (Taufkapellen).

 

Kapelle
Kapelle

Chorhalle 

Östlich an das Oktogon wurde auf Initiative des Marienstiftes und des amtierenden Aachener Bürgermeisters Gerhard Chorus (1285–1367) zwischen 1355 und 1414 der gotische Chor angebaut. Zuvor musste dort der karolingische Vorgängerbau, ein rechteckiger Chor, niedergelegt werden.

Der gotische Chor misst 25 m in der Länge, ist 13 m breit und 32 m hoch. Seine Außenwand ist weitestgehend in Fenster aufgelöst. Die mehr als 1.000 Quadratmeter Glasfläche, das sog. „Glashaus“ waren als gläserner Reliquienschrein für die Aachener Heiligtümer und die Gebeine Karls des Großen konzipiert. Die Architektur orientiert sich am Vorbild der Sainte-Chapelle in Paris, ebenfalls ein Aufbewahrungsort wichtiger Reliquien und königliche Palastkapelle. Zur Sicherung der Gewölbe der Aachener Chorhalle wurden bereits während der Bauzeit eiserne Zuganker eingebaut, um den Seitenschub auf das schmale Tragwerk zu reduzieren und dazwischen möglichst viel Fensterfläche zu belassen.

 

Deckenfresken
Deckenfresken
Kirchenfenster
Kirchenfenster
Modell aus Bronze
Modell aus Bronze
Variationen
Variationen

Weitergehende Info unter: http://de.wikipedia.org/wiki/Aachener_Dom

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